Kaninchenmord und Kaninchenmörder
Kaum einer Spezies stehen Speziesisten so ambivalent gegenüber wie Kaninchen: Einerseits landen sie als "Stallhasen", "Mastkaninchen" oder Jagdopfer auf dem Teller (und haben somit den Status von Schweinen oder Hühnern), andererseits werden sie – auch nicht gerade zu ihrem Vorteil – in Kinderzimmern und anderen privaten Streichelzoos als unfreiwillige "Kuscheltiere" verhätschelt (wie Meerschweinchen oder Katzen, die hierzulande kaum jemand verzehren würde). Diese zweite Form der Ausbeutung von Kaninchen dürfte dann auch mitverantwortlich dafür sein, daß im Zusammenhang mit Kaninchen häufig von Mord die Rede ist – einschließlich Sonderkommissionen und hohen Belohnungen für die Ergreifung der Täter. Selbst die Polizei spricht von "Kaninchenmorden".Polizei richtet Sonderkommission ein
Ein Serientäter tötet Zwergkaninchen
Dortmund/Bochum (RPO). In Dortmund treibt ein Zwergkaninchenmörder sein Unwesen. Innerhalb von fünf Tagen mussten sechs Tiere sterben. Zwei von ihnen hat der Täter den Kopf abgerissen, bei einem fehlten die Vorderläufe. Die Polizei hat eine Sonderkommission eingerichtet.
Wie die Polizei am Montag mitteilte, wurden zwischen dem 13. und 18. Mai zu drei Tatzeiten insgesamt sechs Zwergkaninchen aus Ställen genommen. Zwei Tiere wurden auf den Grundstücken mit abgetrennten Köpfen entdeckt. In einem Fall wurden einem Kaninchen zudem auch die Vorderläufe ausgerissen. Von den übrigen Tieren fehlt jede Spur.
Die Polizei geht davon aus, dass die Taten im Zusammenhang mit ähnlichen Fällen in Dortmund, Bochum, Witten, Herdecke und Essen stehen, bei denen seit Herbst vergangenen Jahres insgesamt etwa 40 Kleintiere – vor allem Kaninchen – getötet wurden. Insgesamt rund 25 Fälle sind bisher bekanntgeworden.
Zur Ergreifung des Täters wurde eine Sonderkommission eingerichtet. Die Hintergründe der Taten sind völlig unklar, wie ein Sprecher der Bochumer Polizei mitteilte. Die Ermittler prüfen auch, ob möglicherweise ein satanistischer Hintergrund für die Tierquälerei vorliegt.
RP online, 19.05.2008
Kaninchenmörder: Belohnung erhöht
WITTEN/BOCHUM Wer durch einen Hinweis an die Polizei dafür sorgt, dass der unheimliche Kaninchen-Schlächter gefasst wird, kann jetzt mit einer Belohnung von 1000 Euro rechnen. Eine 60-jährige Bochumerin hat Montag die bisherige Summe um 500 Euro aufgestockt.
In Witten hatte der Schlächter zuletzt in der letzten Woche zugeschlagen. Er hatte Hühner in einem Garten Auf der Klippe geköpft.
Von den drei Hühnern, die verschwunden waren, entdeckten Nachbarn mittlerweile ein getötetes Tier auf ihrem Grundstück – ohne Kopf. Die beiden anderen bleiben vorerst verschwunden. [...]
Ruhrnachrichten, 7. April 2008
Der Kaninchenmörder von Witten
Von Torsten Droop
Witten. Wer in Witten Kaninchen hält, schläft derzeit schlecht. Denn ein Unbekannter treibt seit Monaten in der Ruhrstadt sein Unwesen. ...
... Die geköpften Opfer heißen Marianne, Fussel, Knuffi oder Knuffinchen – und sie alle waren vollkommen unschuldige Zwergkaninchen.
Auf der Jagd nach dem Täter tappt die Polizei im Dunkeln. Fünf Mal hat er seit September '07 zugeschlagen, zuletzt am vergangenen Freitag. Neun Tiere starben, weitere Kaninchen nahm der Unbekannte mit – ihr Schicksal ist offen. "An den Tatorten haben wir nie Blut entdeckt, dafür aber die toten, geköpften Tiere", sagt Polizeisprecherin Ingrid Laun-Keller. Man habe zu sachdienlichen Hinweisen aufgerufen, aber bislang null Resonanz. "Das ist schon beunruhigend."
Zumal nur Tiere getötet wurden, die keinem Züchter gehörten, sondern als Familienkaninchen mümmelten. "Das müssen sie sich mal vorstellen, der Täter tötet die Lieblinge der Kinder", ist Laun-Keller angewidert vom Treiben des "Kaninchen-Rippers", der immer im Schutz der Dunkelheit zuschlug und nie Spuren hinterließ.
Auch deshalb entschloss sich die Polizei nach dem jüngsten tödlichen Angriff, die genaue Todesursache klären zu lassen. Der Kadaver landete in Arnsberg auf dem Tisch des staatlichen Veterinäruntersuchungsamtes, wo Tierpathologe Dr. Christian Peters eine Obduktion des Tierleichnams vornahm. Seit Mittwoch nun steht fest, dass das Kaninchenweibchen aus dem Stall am Mallnitzer Weg seinen Kopf äußerst brutal und bei lebendigem Leib verlor. Der Täter muss das Tier dabei mit deutlicher Gewalt festgehalten und dann mit einem scharfen Gegenstand gearbeitet haben: Dr. Peters diagnostizierte einen glatten Schnitt, diverse Rippenbrüche und Quetschungen. Wo das Blut blieb ("Das sind rund 300 Milliliter") konnte der Veterinär nicht klären, und auch Ingrid Laun-Keller rätselt. "Das muss doch wie Teufel gespritzt haben. Aber vielleicht hat er das Tier ja nicht vor Ort getötet, sondern später wieder dort abgelegt."
Die betroffenen Familien sind geschockt, können nicht begreifen, wie man so etwas tun kann. "Warum?", fragt Eva Chmielarz aus dem Stadtteil Annen traurig. In ihrem Garten schlug der Unbekannte Ende Januar zu. Auch die Wittener Hobbyzüchter sind längst in heller Aufregung. "Ganz klar, wir reden schon viel drüber", sagt Jörg Wellenkötter. Der Vorsitzende der Ortsgruppe W 463 in Witten-Rüdinghausen fragt sich auch, wann es wohl ein Vereinsmitglied trifft – und noch viel mehr, was das Motiv des Täters sein könnte. "Wenn's ihm um einen leckeren Braten ginge, würde er die Tiere ja mitnehmen."
Hahn, Taube, gehörnter Bock
Hat er aber nicht, und deshalb waren irgendwann auch die Gerüchte über einen satanistischen Hintergrund im Umlauf. "Da wurde von schwarzen Messen gesprochen und so", sagt Ingrid Laun-Keller. Gemunkelt wurde auch, dass die Tatorte, wenn man sie denn auf einem Stadtplan mit Linien verbindet, das in Satanistenkreisen hoch geschätzte Pentagramm, also einen Fünfstern, ergeben. "Das habe ich jetzt sogar geprüft. So weit ist es schon. Aber das kann alles sein, von mir aus auch das Haus vom Nikolaus."
Was aber ist dran an den Gerüchten? "Eher nichts", wiegelt Ingolf Christansen ab. Er ist Beauftragter für Weltanschauungsfragen der ev.-luth. Kirche und gilt als der protestantische Satanismusexperte schlechthin. "Kaninchen spielen in diesen Kreisen eher keine Rolle." Bevorzugt würde zu Hahn, Taube oder gehörntem Bock gegriffen.
Doch verharmlosen will Christiansen die Wittener Vorfälle in keinem Fall. "Ich erkenne keine ernsthafte okkulte Handlung", sagt der Göttinger, "aber es könnte sich um einen krankhaften Tätertypen mit perversen Neigungen handeln."
Der Westen, 6. Februar 2008
Kaninchenmörder von Witten bleibt Phantom
Von Jürgen Augstein
Witten/Dortmund. Die mysteriösen Kaninchenmorde von Witten und Dortmund bleiben vorerst ungeklärt. [...]
Der Westen, 16.06.2008
Im Ruhrgebiet fast 30 geköpfte Tiere aufgefunden
Soko soll Kaninchenmorde aufklären
Tierbesitzer im Ruhrgebiet leben seit fast einem Jahr in Angst, weil ein Unbekannter dort vor allem Kaninchen, aber auch Vögel köpft. Polizei hat jetzt eine Sonderkommission zur Klärung der Taten gebildet.
[...]Seit bald einem Jahr beschäftigt ein Tier-Mörder die Ermittler im Ruhrgebiet. "Der Unbekannte hat in Bochum, Dortmund, Witten und Herdecke bislang mindestens 21 Kaninchen, drei Hühner, zwei Wildenten, einen Schwan und eine Taube geköpft", berichtete Schütte. "Zusätzlich sind fünf Kaninchen und zwei Hühner spurlos verschwunden."
WDR, Panorama, 17.04.2008
"Die Kinder weinen!"
Von Kristian Frigelj
Im Ruhrgebiet treibt ein grausamer Kaninchenmörder sein Unwesen. Züchter sind in Panik, die Polizei ist bisher erfolglos. Dabei eilt die Aufklärung mehr als man denkt, warnen Psychologen
Willi Naumann hält den Aufenthaltsort seiner hundert Kaninchen geheim. Er lässt sich auch nicht mehr mit seinen mümmelnden "Thüringern" und "Weißen Neuseeländern" filmen. Sie sind irgendwo bei Witten. Es geht ihnen gut, soviel darf man wissen. "Letztens war die BBC da. Denen habe ich gesagt: Sie können sich auf den Kopf stellen, aber Sie werden keinen Züchter finden, der sich am Stall äußert. Die Züchter haben Angst, dass etwas von der Umgebung zu erkennen ist", sagt Naumann. Er ist 61 Jahre alt, Vorsitzender der "Kreisgruppe der Kaninchenzüchter Ennepe-Ruhr Ost" und fürchtet ebenso wie etliche seiner Vereinskollegen, dass dieser Verrückte auf den Gedanken kommen könnte, sein Gemetzel in ihren Ställen fortzusetzen. Der Verrückte – es gibt kein anderes Thema bei den Kaninchenzüchtern in ganz Ennepe-Ruhr Ost.
Seit fast einem Jahr verzeichnet die zuständige Polizei in Bochum eine bizarre Tötungsserie: In privaten Gehegen werden Kaninchen enthauptet, Köpfe und Blut verschwinden, ausgeblutete Kadaver hängen am Zaun, Kinder weinen. In Witten wurden an zehn Tatorten über 20 Tiere getötet und – im wahrsten Sinne des Wortes – teilweise gestohlen. Auch Hühner wurden geköpft. In der Nachbarstadt Dortmund zählt die Polizei seit Januar 18 enthauptete und verschwundene Kaninchen.
Inmitten vieler Spekulationen findet sich ein bedrückender Verdacht: Kriminalpsychologen halten es für möglich, dass sich in Witten ein künftiger Menschenmörder offenbart. "Das Risiko, dass er Gewalt gegen Menschen anwendet, ist enorm", sagt der Kriminalpsychologe und Experte für Serientäter aus Essen, Christian Lüdke. Die Polizeibehörde in Bochum kann vieles über Sadismus an Tieren erzählen, das ist bei den Kollegen in Berlin, Düsseldorf oder München nicht anders. "Menschen können schon sehr grausam sein, grausamer als Tiere", sagt Bochums Polizeisprecher Volker Schütte. Ein Hundebesitzer habe einmal seinen nicht gehorchenden Vierbeiner ans Motorrad angeleint und 500 Meter mitgeschleift. Einer Katze sei ein Kanonenschlag an den Bauch gebunden und der Böller gezündet worden. Oft würden Haustiere im Rhein-Herne-Kanal ertränkt. [...] Beim vorerst letzten Fall im Mai erschienen gleich Kollegen von der Spurensicherung im Garten; das Kaninchen wurde obduziert. [...]
Natürlich denkt man in Witten schnell an Satanisten. Dort hat sich in die städtische Seele das Teufelsanbeterpaar Manuel und Daniel R. eingenistet. Sie töteten vor sieben Jahren einen Bekannten, auf "Befehl des Satans." Der Prozess vor dem Landgericht Bochum gewährte Einblicke in eine bizarre Unterwelt von Satansverehrern und Friedhofsgängern im Ruhrgebiet.
Die Polizei konsultierte Sektenbeauftragte und hält die Satanisten-Variante mittlerweile für abwegig, weil szenetypische Zeichen fehlen. Man vermutet etwas anderes. "Er will uns irgendetwas zeigen", sagt Schütte. Andernfalls hätte der Täter die Tiere in einer Zoohandlung kaufen und unbemerkt zu Hause töten können. Unter Psychologen und Forensikern sind Tiertötungen in Serie ein bedeutendes Zeichen. Die meisten Serienmörder und Triebtäter haben sich vor ihrer Tat an Tieren vergangen. Experten verweisen aber auch auf die Tatsache, dass nicht jeder Tiermord zu einem Menschenmord führt.
Der Psychotherapeut Christian Lüdke indes ist beunruhigt. "Er hat Lust am Töten und möchte Macht über Leben und Tod haben"; sagt Lüdke über den Täter in Witten. Er hat in seiner Laufbahn zahlreiche Triebtäter in der Forensik in Lippstadt-Eickelborn kennengelernt. Für ihn geben die Vorfälle in Witten trotz räumlicher Ferne klare Anhaltspunkte für ein Profil: Es handele sich offenbar um einen Mann mittleren Alters zwischen 25 und 45 Jahren, offenbar leide er unter einer schweren Persönlichkeits- und Beziehungsstörung, es gehe darum, Angst und Schrecken zu verbreiten. Er nehme die Kaninchenköpfe mit, "um den Tatrausch zu verlängern. Ich würde auf einen Insider tippen", sagt der Psychotherapeut. Dies wiederum hält Kaninchenzüchter Willi Naumann eher für abwegig: "Glauben Sie, dass jemand, der 30 Jahre Kaninchen gezüchtet hat, die plötzlich abmurkst", fragt der Kleintierfreund.
WamS, 22. Juni 2008
Flo Rida Tierquäler?
Offenbar hat Flo Rida was gegen Kaninchen. Er war auf einer Promo-Tour für sein neues Album R.O.O.T.S. unterwegs in den USA. Dann ist er angeblich irgendwo in Florida aus dem Tourbus gestiegen und hat ohne Grund ein Kaninchen getötet. Zwei Zeugen wollen das ganze beobachtet haben und haben den Tierschutzverein angerufen. Jetzt ermittelt die Polizei in dem Fall Kaninchenmord. Flo Rida bestreitet die Vorwürfe.
Das Ding, 29.03.2009
Zieht die Justiz dem Hasen-Killer die Löffel lang?
MITTE – Kaninchenmord in der Kunstgalerie: Ein "Künstler" läßt vor Zuschauern zwei Kaninchen das Genick brechen, ihnen die Köpfe abhacken und in Formaldehyd einlegen.
[...] Jetzt gibt es die ersten Strafanzeigen. [...] Grünen-Tierschutzexpertin Claudia Hämmerling: "Der Mann hatte zum Töten der Kaninchen keinen Grund." Sie erstattete auf dem Polizeiabschnitt 53 Anzeige wegen Tierquälerei gegen den "Künstler" Falk Richwien (43). "Der Mann verdient eine ordentliche Strafe." [...] "Eine ausgemachte Perversität",nennt Tierschützer Uwe Schmidt (CDU) die Aktion. "Der Senat muß jeden weiteren Versuch stoppen." Am Donnerstag will seine Partei den Fall in den Gesundheitsausschuß bringen.
Auch der Tierschutzverein Berlin hat Strafanzeige gestellt, will zudem das Veterinäramt einschalten. Sprecher Marcel Gäding: "Der angekündigte Verzehr der toten Kaninchen am Freitag muß unterbunden werden."
BZ, 21. Februar 2006
POL-BO: BochumUnd bereits 1954 war im Spiegel von "Kaninchenmord" zu lesen:
Ohne Kopf und ohne Blutanhaftungen – Tote Wildente gefunden
04.04.2008
Bochum-Werne (ots) – Am heutigen 4. April wird eine Streifwagenbesatzung der Polizeiwache Bochum-Langendreer zu einem an der Straße "Nörenbergskamp" im Stadtteil Werne gelegenen Haus gerufen. Dort hatte eine Bewohnerin am 2. April (Mittwoch), gegen 07.15 Uhr, eine tote Wildente im Vorgarten entdeckt. Der Kopf des Tieres war abgetrennt worden und Blutanhaftungen waren nur geringfügig zu erkennen. Federn, die auf einen Kampf mit einem anderen Tier hindeuten, wurden am Auffindeort ebenso wenig gefunden wie der Kopf der Ente. Bedingt durch die heutige überregionale Berichterstattung über die "Wittener Kaninchenmorde" sahen die Eigentümer einen möglichen Zusammenhang und informierten die Polizei. [...]
Volker Schütte
Polizeipräsidium Bochum
Kaninchen /SeuchenWährend Dane Komljen den "Preis von Branko" für junge Dichter für die Gedichtsammlung "Kaninchenmörder" erhielt (Radio Srbija, 26.08.08), findet sich der eher umgangssprachliche Terminus "Karnickelmörder" in der Presse lediglich in einem "Interview" mit dem fiktiven SPD-Abgeordneten Mierscheid:
Viren kamen mit der Post
Medizin-Professor Paul-Armand Delille, der im schönen Eure-Tal das beschauliche Leben eines französischen Landedelmannes führte, vermochte nicht einzusehen, daß den wilden Kaninchen nicht beizukommen sein sollte, die auf seinem 300-Hektar-Besitz Maillebois die Kulturen durchwühlten und benagten.
Als die landläufigen Bekämpfungsmittel versagten, erinnerte sich der eigensinnige Professor an die sensationelle Methode, mit der die Australier ihre Kaninchenplage gemeistert hatten. Australische Regierungsbeamte hatten die Tiere mit Viren der Myxomatose (Kaninchenpest) geimpft. 900 Millionen australische Wildkaninchen waren eingegangen, nur 100 Millionen überlebten.
Mit der Post ließ sich Professor Delille eine Sendung Myxomatose-Viren in sein Landhaus schicken, griff sich einige auf seinem Anwesen herumhoppelnde Kaninchen, stieß ihnen eine Spritze mit Viren unter das Fell und ließ sie wieder laufen. Das war 1952.
Vergangene Woche stand er im Gerichtssaal des normannischen Städtchens Dreux. Eine Vereinigung von Industriellen, Jagd- und Lebensmittel-Verbänden verlangt die Zahlung einer ungeheuren Schadenersatz-Summe: 60 Milliarden Franc – rund 720 Millionen Mark.
Denn damals waren nicht nur die Kaninchen auf Professor Delilles Besitz an der Pest eingegangen – im ganzen Departement Eure-et-Loire machte sich kein einziges Wildkaninchen mehr bemerkbar. Vermutlich hatten Insekten die Seuche von Delilles Kaninchen auf Kaninchen außerhalb der Gutsmauern übertragen. Mit der Geschwindigkeit eines Steppenbrandes breitete sich die Seuche weiter aus.
Zunächst waren die Bauern über das unerwartete Kaninchensterben erfreut. Sie kamen aus den abgelegensten Ecken Frankreichs in das Eure-Tal, erwarben sterbende Kaninchen und setzten sie auf ihren heimatlichen Feldern wieder aus. Ein regelrechter Schwarzmarkt für verseuchte Kaninchen etablierte sich. 1500 bis 2000 Franc (18 bis 24 Mark) wurden für jedes erkrankte Tier geboten. [...] Jagdvereinigungen, Jagdhüter, Waffen- und Munitionsfabrikanten, Hut- und Filzindustrielle, Lebensmittelgeschäftsverbände, Gastwirte und Hoteliers schlossen sich ihm an und machten eine recht umfangreiche Rechnung auf. So etwa: 180 Millionen Kilo Kaninchenfleisch werden jährlich in französischen Pfannen verbraten, rund 650 Tonnen Kaninchenfelle werden exportiert, 12 Millionen Felle gegerbt und der Pelzverarbeitung zugeführt. Hutmacher und Webereien verbrauchen jährlich Kaninchenhaare von 25 Millionen Fellen, und die Gemeinden kassieren Gebühren für 1 800 000 Jagdscheine von Kaninchen-Schützen. [...] Die französische Kaninchenjagd wird nämlich dadurch legitimiert, daß die Kaninchen von Amts wegen als "schädliche Tiere" gelten. Darüber hinaus sind Frankreichs Wildkaninchen – wie das andere Wild – juristisch "res nullius": sie gehören niemand und jedem. Wer einen Jagdschein besitzt, kann sie – außerhalb direkt verpachteter Gebiete – nach Belieben abschießen. [...] Jeder, der sich durch den Kaninchenmord irgendwie indirekt geschädigt fühlt, könnte Regreßansprüche anmelden. [...]
Delilles Verteidiger Garçon stellte dem Sonntagsvergnügen der Jäger die Missetaten der Kaninchen gegenüber: "Vergessen Sie nicht, daß 20 Kaninchen so viel fressen wie eine Kuh." Die volkswirtschaftliche Schadensrechnung, behauptete er, übersteige bei weitem die Gewinnrechnung der Kaninchen-Interessenten. [...]
Der Spiegel 29/1954 vom 14.07.1954, Seite 27
Mierscheid: Da können viele dahinter stecken. Ich bin seit 1979 immer wieder ohne jede Gegenstimme in den Bundestag gekommen. Aber im westlichen Hunsrück passierten in letzter Zeit merkwürdige Dinge, zum Beispiel ging da ein Karnickelmörder um. Meine Kollegen im Kleintierverein waren ganz beunruhigt. Die Kripo war auch schon da. Mit meinen guten Kontakten zum Otto haben wir die Sache dann aufgeklärt.
SPIEGEL ONLINE: Wer steckte hinter den Anschlägen?
Mierscheid: Darüber kann ich leider nicht sprechen. Aber ich sage Ihnen: Nach mir wurden Restaurants und Gesetze benannt. Ich war überall beliebt und anerkannt, aber manchen stört das halt.
SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie der Union im Ernst das Fälschen von Austrittserklärungen und Kaninchenmord unterstellen?
Mierscheid: Junger Mann, ich unterstelle gar nichts. Mit den Schwarzen im Hunsrück bin ich immer gut ausgekommen. Da trifft man sich sonntags in der Heiligen Messe und hinterher zum Frühschoppen. Bei uns gilt: Leben und leben lassen. Eine Koalition mit der Union sollten wir deshalb keineswegs ausschließen.
SPIEGEL ONLINE: Könnte Oskar Lafontaine dahinter stecken?
Mierscheid: Mit den Kaninchenmorden hat er wohl nichts zu tun. [...]
Spiegel, "Mierscheid schließt nichts aus", 13. 07. 2005,
2. April 2009
